Bao Solutions: Ein Drehbuch fuer das perfekte Verkaufsgespraech

MUENCHEN, Oktober 20, 2020 ( Joachim Hofer, Handelsblatt) — Die Softwarefirma Bao Solutions will mit einem digitalen Leitfaden Vertriebsmitarbeiter unterstützen. Dafür hat sich der Gründer nun ein Investment gesichert.

Es sei die Suche nach dem perfekten Gespräch, die ihn antreibe, sagt Patrick Strunkmann-Meister. Oder besser: nach dem perfekten Verkaufsgespräch. Daher hat der 43-Jährige Bao Solutions gegründet: ein Softwareunternehmen, das den Leuten im Vertrieb einen digitalen Leitfaden an die Hand gibt.

Seit gut zwei Jahren existiert Bao, die Abkürzung von „Be-As-One“. Eins sein mit dem Kunden, das ist es, was Strunkmann-Meister anstrebt. Nun hat der Unternehmer aus München erstmals Investoren an Bord geholt: Eine Million Euro bekommt der promovierte Betriebswirt und Informatiker als Anschubfinanzierung.

Eine ganze Reihe sogenannter Business-Angels beteiligt sich an dem Mittelständler. „Der Markt ist unglaublich dynamisch“, sagt der Unternehmer Alexander Bruehl, einer der Geldgeber. Was Bao anbiete, sei der nächste Schritt, der auf die sogenannten CRM-Programme folge, die inzwischen weit verbreitete Kundenbindungs-Software. Zudem habe ihn das Team und der Ansatz überzeugt.

Mit seiner 15-köpfigen Truppe hat Strunkmann-Meister eine Art Drehbuch für Verkaufsgespräche entwickelt. Dabei dokumentieren die Mitarbeiter im Vertrieb elektronisch die Antworten, die sie in ihren Unterredungen erhalten. Daraufhin gibt die Software Empfehlungen, wie die Verhandlungen am besten weitergeführt werden. Durch Künstliche Intelligenz lernt das Programm aus jedem Gespräch. Bao konzentriert sich dabei auf Firmenkunden, Konsumenten stehen nicht im Fokus.

Der Clou dabei: „Wir kommen mit viel weniger Daten aus als unsere US-Wettbewerber“, sagt der ehemalige BMW-Manager. Die Amerikaner würden alle Gespräche aufzeichnen. Das sei einerseits mit seinem Verständnis von Datenschutz nicht vereinbar, meint Strunkmann-Meister. Andererseits sei es auch technisch wahnsinnig aufwendig, die gesamten Inhalte zu analysieren.

Seine Software erfasse dagegen nur den Kontext und ziehe daraus die notwendigen Schlüsse. Das Muster: Wenn der Kunde mit Variante A geantwortet hat, dann empfiehlt es sich, mit Option B fortzufahren.

US-Konkurrent ist Milliarden wert

Was Strunkmann-Meister anbietet, bezeichnen Fachleute als „Conversational Intelligence“. Der wohl bekannteste Wettbewerber von Bao ist das amerikanische Start-up Gong. Es hat bereits mehr als 300 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt und wurde im Sommer mit 2,2 Milliarden Dollar bewertet. Die fünf Jahre alte Firma aus San Francisco strebt innerhalb der nächsten drei Jahre an die Börse.

Solche hochfliegenden Pläne hegt Strunkmann-Meister nicht oder besser: noch nicht. Dem gebürtigen Bielefelder geht es erst einmal darum, das Geschäft auszubauen. Derzeit habe er 40 Kunden, bis Jahresende sollen es 60 sein. Corona habe das Geschäft nicht gebremst, im Gegenteil. „Die Firmen sind jetzt offener für Digitales“, meint der Unternehmer. Er erwartet dieses Jahr einen Umsatz im sechsstelligen Bereich.

Bao verdient sein Geld mit Abonnements, Experten sprechen von Software as a Service. Bis zu 150 Euro koste eine Lizenz pro Monat, sagt Strunkmann-Meister. Zu den bekanntesten Nutzern gehören die Versicherung Barmenia und Personio, ein aufstrebender Anbieter von Personalsoftware aus München.

Mit seiner Software, verspricht der Unternehmer, gelängen den Leuten im Vertrieb nicht nur mehr Deals. Sie kämen auch zu profitableren Abschlüssen.

Bis sein Programm ein perfektes Gespräch ermöglicht, werde es aber noch ein wenig dauern, gesteht Strunkmann-Meister. „Bislang haben wir nicht mehr als einen einstelligen Prozentsatz unserer Vision erreicht.“ Ein Unterstützer für richtig gute Gespräche sei die Software aber heute schon. Denn nichts sei wichtiger, als auf „einer Wellenlänge“ mit seinen Verhandlungspartnern zu sein.

Ihm ist das in den Unterredungen mit den Business-Angels offenbar gut gelungen. Doch Strunkmann-Meister weiß auch: „Wenn wir in unserem Geschäft nicht untergehen wollen, dann müssen wir groß werden.“ Das heißt: Er muss sich bald mit Risikokapitalgebern an einen Tisch setzen und um hohe Beträge feilschen. So kann er selbst ausprobieren, was seine Software taugt. Denn um mit Konkurrenten wie Gong mithalten zu können, braucht Bao garantiert mehr als die eine Million Euro.

 
 
 
 
 
 
 

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